Unitymedia verspricht Internet mit 30 Mbit/s – allerdings nicht für alle

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“Unsere Bestandskunden surfen jetzt noch schneller”, versprach der Kabelnetzbetreiber Unitymedia seinen Kunden bis Ende 2018. Allerdings schließt er dabei – ohne es transparent zu benennen – bestimmte Nutzergruppen aus. Das ruft Verbraucherschützer und den Mieterbund auf den Plan. Der Vorwurf: Wettbewerbswidriges Verhalten.

Unitymedia erhöht Bandbreite auf 30 Mbit/s

Bis zum Jahreswechsel 2018/2019 wollte Unitymedia die Surfgeschwindigkeit aller Kunden deutlich erhöhen. Nutzer des Kabelnetzbetreibers sollten ohne Aufpreis mit bis zu 30 Mbit/s surfen können – unabhängig davon, welche Datenrate sie ursprünglich gebucht hatten. Allerdings verschwieg der Internetkonzern, dass das Versprechen “für alle” in Wahrheit gar nicht für alle gilt. Das zog nun die Kritik der Verbraucherschützer und des Mieterbundes nach sich. Sie sehen in dem Versprechen mit nicht transparent benannter Einschränkung ein wettbewerbswidriges Verhalten.

“Unitymedia hat höhere Geschwindigkeiten für alle Kunden versprochen. Wenn die Firma diese Ankündigung nicht erfüllt, bricht sie ihr Versprechen”, erklärt Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Mieterbundes, gegenüber dem Handelsblatt. Nun dürften nicht nachträglich einzelne Kundengruppen ausgeklammert werden. Doch das passiert offenbar beim vollmundigen Versprechen Unitymedias. De Facto profitieren nicht alle Kunden von den schnelleren Surfgeschwindigkeiten, sondern nur diejenigen, die bestimmte Kriterien erfüllen.

Unitymedia bricht Versprechen

Dabei sieht Unitymedia selbst das Versprechen als erfüllt an. Denn die Surfgeschwindigkeit aller Kunden, die einen “entgeltlichen Vertrag über ein Internetprodukt” besitzen, wurde erhöht, heißt es seitens des Kabelnetzbetreibers. Was dieser dabei nicht erwähnt: Nutzer, die ihren Unitymedia-Internetvertrag über Sonderkonditionen erhalten haben und zusammen mit den Nebenkosten bezahlen, sind von der Aktion ausgenommen.

Dabei handle es sich um eine Sonderkonstellation, teilt Unitymedia mit. In einigen Fällen bestünden Verträge mit Hausverwaltungen von Mehrfamilienhäusern, deren Mieter eine Art Minimalversorgung nutzen können. Hier stehen zwischen 1 Mbit/s und 6 Mbit/s zur Verfügung, die in der Regel für die Nutzer keine weiteren Kosten bedeuten. Zwar müssten sich diese Kunden formal bei Unitymedia registrieren, nutzen jedoch keinen entgeltlichen Vertrag. Entsprechend gelte das “Mehr Speed”-Versprechen nicht für sie.

Vertragswechsel als Option

Wer mit einer höheren Geschwindigkeit surfen möchte, könne jedoch jederzeit aus der Minimalversorgung in einen regulären (und kostenpflichtigen) Vertrag wechseln. Sollte dieser weniger als 30 Mbit/s haben, werde er entsprechend dem Versprechen automatisch hochgestuft, so Unitymedia.

Der Ansatz ist klar: Wer das Internet über den Vermieter bezieht und mit den Nebenkosten abrechnet, muss mit den geringen Geschwindigkeiten leben. Wer schneller surfen möchte, muss in ein reguläres Internetprodukt wechseln und die entsprechenden Gebühren bezahlen.

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1 Kommentar

  1. Hallo Frau Hornbogen,

    man kann auch eine leicht negatives Formulierung
    “allerdings nicht für alle” auch positiv ergänzen.
    Für alle vielleicht nicht, aber zumindest für mich als EAZY20-Kunde hat sich das bereits positiv ausgewirkt.
    Bei mir wurde eine Erhöhung laut Kundenpotal automatisch durchgeführt.
    Im Grunde wurde aus EAZY20 also EAZY-30.

    LG OJ

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